Ich begleite Kinder mit und ohne Beeinträchtigung im Kontakt mit dem Pferd. Im Mittelpunkt stehen Vertrauen, Körperwahrnehmung und echtes Erleben. Jedes Kind darf in seinem eigenen Tempo wachsen.
In meiner Arbeit als Reittherapeutin folge ich einem einfachen Leitbild: Zuerst tun wir dem Pferd etwas Gutes. Wenn ein Pferd spürt, daß seine Bedürfnisse geachtet werden, schenkt es uns sein Vertrauen und ist bereit, sich uns zu öffnen. Es ist ein wertvoller Kreislauf aus Geben und Nehmen. Bevor wir in die Bewegung gehen, schenke ich meinen Klienten und dem Pferd die Zeit, um wirklich anzukommen und sich aufeinander einzustellen. In dieser Ruhe liegt die eigentliche Kraft der Therapie.
Das Putzen ist dabei kein notwendiges Übel, sondern der Moment, in dem Beziehung entsteht. Hier lernen Klienten, mit den Händen zuzuhören. Sie spüren die Wärme des Tieres und erhalten sofort ehrliches Feedback: Druck verändert die Situation, aber Geduld öffnet Türen. In dieser geschützten Atmosphäre finden unsichere Menschen ihren Mut und gestreßte Menschen ihren Fokus. Das Pferd spiegelt dabei wertfrei, was ihm guttut.
Manchmal ist genau dieser Vorgang des Ankommens und der gemeinsamen Zeit am Boden schon alles, was es braucht. Es muß nicht immer mehr sein, denn in dieser tiefen Verbindung liegt bereits die ganze Heilung.
In der Reittherapie geht es mir nie nur um das Reiten, sondern um die achtsamen Momente davor, die eine große innere Entwicklung möglich machen. Wer lernt, einem Lebewesen respektvoll zu begegnen, nimmt diese Haltung mit in sein eigenes Leben. Das gemeinsame Putzen ist ein Akt der Wertschätzung und oft der heilsamste Teil des ganzen Tages.
Robin
- Rasse: Schweizer Warmblut
- Geschlecht: Wallach
- Jahr: 2006
Fengur
- Rasse: Isländer
- Geschlecht: Wallach
- Jahr: 2011
Arsano
- Rasse: Spanier
- Geschlecht: Wallach
- Jahr: 2010
Zagato
- Rasse: Isländer
- Geschlecht: Wallach
- Jahr: 2014
Cappuccino
- Nachname: Von Römerring
- Rasse: Labradoodle
- Geschlecht: Männlich
- Jahr: 2021
Espresso
- Nachname: Von Römerring
- Rasse: Labradoodle
- Geschlecht: Männlich
- Jahr: 2022
Auch wenn die Begriffe Reittherapie das Reiten im Namen tragen, findet die wertvolle Arbeit keineswegs nur auf dem Pferderücken statt.
Ich erlebe oft, dass Kinder sich bewusst Zeit im Stall wünschen, um Teil der täglichen Routine zu sein. Sie möchten die Pferde versorgen, füttern, pflegen und bei der Stallarbeit helfen.
Sätze wie „Kann ich heute die Pferdeäppel wegmachen?“ oder „Darf ich das Futter vorbereiten?“ zeigen, wie gross das Bedürfnis nach echter Teilhabe ist. Das Versorgen der Ponys mit allem, was dazugehört, vermittelt den Kindern ein tiefes Gefühl von Geborgenheit und Kompetenz.
Die Arbeit rund um den Stall ist weit mehr als eine notwendige Pflicht. Sie ist ein integraler Bestandteil des therapeutischen Prozesses und bietet eine einzigartige Plattform für die persönliche Entwicklung. Besonders bei schlechtem Wetter oder in Momenten, in denen das Reiten nicht im Vordergrund steht, bieten diese Tätigkeiten wertvolle Lernfelder:
• Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl werden durch sichtbare Arbeitsergebnisse gestärkt.
• Stress und Ängste werden durch die ruhige, repetitive Arbeit abgebaut.
• Aufmerksamkeit, Konzentration und Durchhaltevermögen werden gefördert.
• Die motorischen Fähigkeiten und die Sicherheit bei der Bewegungsplanung verbessern sich.
• Soziale und emotionale Kompetenzen sowie die Empathie wachsen im direkten Kontakt.
Erdung, Struktur und Selbstwirksamkeit
Die physische Arbeit im Stall erfordert Achtsamkeit und Präsenz. Der Geruch von Heu, das Gefühl von Stroh und die körperliche Betätigung sind sensorische Erfahrungen, die Kinder erden und den Bezug zum eigenen Körper stärken. Die Übernahme von Verantwortung für ein Lebewesen fördert zudem die Selbstorganisation und Disziplin.
Jede erledigte Aufgabe – sei es eine saubere Box oder vorbereitete Futterschalen – vermittelt ein direktes Erfolgserlebnis. Diese Selbstwirksamkeit ist ein unschätzbarer Baustein für den Aufbau von Stabilität und Lebensfreude.
Ein Miteinander auf Augenhöhe

Wenn am Ende alle Pferde zufrieden an ihrem Heu knabbern, spiegelt sich diese Zufriedenheit auch in den Kindern wider. Die Betätigung rund um das Pferd ist pädagogisch genauso wertvoll wie das Reiten selbst. Zudem ist es für die Pferde eine bereichernde Erfahrung, wenn der Mensch nicht nur Forderungen stellt, sondern einfach Zeit mit ihnen verbringt und für sie sorgt.
Die Stallarbeit ist ein essenzieller Baustein meiner Arbeit, um Kinder auf ihrem Weg zu mehr Selbstbewusstsein und innerer Ruhe zu begleiten.
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